Stadtteilmagazin für Osdorf und Umgebung

Shuttledienst ioki zum Jahresende eingestellt

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Als das ioki-Sammeltaxi im Elbe Kino Medienvertretern aus ganz Deutschland vorgestellt wurde, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ ausführlich über dieses Beispiel für Mobilität der Zukunft. Doch mit den E-Taxen ist es rund um die Osdorfer Landstraße bald vorbei: Verkehrssenator Anjes Tjarks gab am Montag in einer Pressemitteilung bekannt, dass ioki in Osdorf und Lurup zum Jahresende eingestellt wird. Im Gegenzug wird das Angebot des Sammeltaxidienstes Moia auf dieses Gebiet ausgedehnt.

Die Deutsche Bahn, die hinter ioki steckt, hatte Osdorf und Lurup 2018 im Elbe zum Versuchsgebiet erklärt, weil moderne Datenanalyse in diesen schlecht an Bus und Bahn angebundenen Stadtteilen den größten Bedarf ermittelt hatte. Der moderne Shuttleservice, den Kunden über eine App auf ihrem Smartphone buchen können, wurde zur Erfolgsgeschichte. Die E-Autos, die britischen Taxis nachempfunden sind, gehören im Westen zum Stadtbild.

Die Entscheidung, künftig Moia statt ioki in Osdorf und Lurup fahren zu lassen, wird von Anke Frieling (CDU) scharf kritisiert. Die Bürgerschaftsabgeordnete fordert: „ioki muss bleiben.“ Der Dienst, der von den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) angeboten wird, habe wenigstens eine kleine Erleichterung gebracht, der angedachte Ersatzdienst Moia sei für Fahrgäste deutlich teurer. Für ioki müssen die Nutzer den HVV-Tarif plus einem Euro Aufschlag zahlen.

Die VHH hatten ioki nach 2018 auch auf Billbrook ausgeweitet. Mehr als 730.000 Fahrgäste, die in den vergangenen vier Jahren rund 4,2 Millionen Kilometer zurückgelegt haben, wurden gezählt. „Nun freuen wir uns, das in Lurup/Osdorf und Billbrook Gelernte in Harburg weiter auszubauen und weiter zu entwickeln“, wurde Toralf Müller (Geschäftsführer VHH) in der Mitteilung des Senats zitiert.

Das klingt fast so, als habe das Versuchskanichen nun seine Schuldigkeit getan. Dabei haben insbesondere die VHH viel dafür getan, damit Osdorfer und Luruper das Angebot annehmen. So wurden Schulungen in Senioreneinrichtungen angeboten und 50 Fahrer eingestellt, über die keine Beschwerden zu hören waren. Nun könnten die Chauffeure nur noch in Harburg oder in Ahrensburg und Rahlstedt eingesetzt werden, wo ioki weiter oder zukünftig läuft.
Osdorf und Lurup bleiben nach der Senatsentscheidung die „Todeszone“ des Hamburger Nahverkehrs. Hier wurde eine U-Bahn beerdigt, mehrere Stadtbahnverbindungen abgeblasen und Schnellbuslinien ersatzlos eingestellt. Und bei der seit einigen Jahren unter dem Arbeitstitel S32 geplanten S-Bahnline ist zuletzt wieder Friedhofsruhe eingekehrt.

Matthias Greulich

Die Kritik am Aus für ioki in Osdorf und Lurup reißt nicht ab.  Klaus Wicher, der Hamburger Vorsitzende des Sozialverbands SoVD, nimmt den rot-grünen Senat in die Verantwortung, „Ich bin mir sehr sicher, dass mit dem Wechsel zu Moia auch höhere Fahrpreise kommen werden.“ Das sei vor allem in diesen beiden Stadtteilen, in denen vergleichsweise viele Menschen mit sehr kleinen Einkommen leben, eine zusätzliche Belastung für ihre Lebenssituation. „Gerade jetzt, wo diese Menschen von steigenden Preisen gebeutelt werden und zu Recht Angst vor dem haben, was noch auf uns zukommt, ist das eindeutig das falsche Signal. Ich habe den Eindruck, dass Menschen in den armen Stadtteilen im Hamburger Westen beim Senat keinen großen Stellenwert haben.“
Wicher fordert: „Ioki muss erhalten werden! Bei einem Anbieterwechsel dürfen die Fahrpreise auf keinen Fall angehoben werden. Hamburg sollte nicht die Bedürfnisse der Menschen in diesen Stadtteilen aus dem Auge verlieren!“ Stattdessen sollte die Stadt alles dafür tun, dass Bedürftige endlich kostenfrei Bus und Bahn nutzen können.
Für den Erhalt von ioki stimmte auch die Altonaer Bezirksversammlung mit den Stimmen von SPD, CDU, Linken und FDP. Die Grünen enthielten sich. Der Beschluss der Bezirkspolitik ist für die Verkehrsbehörde allerdings nicht bindend.

Matthias Greulich

Bis zum Jahresende fahren diese E-Autos noch durch Osdorf und Lurup: Der Shuttledienst ioki wird dann ab 2023 in Harburg unterwegs sein.

Fotos: Wolfgang Köhler/vhh

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