Stadtteilmagazin für Osdorf und Umgebung

„Das ist diskriminierend“

Ioki heißt jetzt hop und fährt seit 2023 nicht mehr in Osdorf und Lurup
 
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Als ioki eingeführt wurde, versprach der Senat mit reichlich Getöse den „Lückenschluss im Hamburger Westen“. Davon, dass der Shuttledienst nur versuchsweise fahren würde, war im Juli 2018 nicht die Rede. Das Angebot der VHH wurde, weil die Nutzer damit sehr zufrieden waren, auf weitere Stadtteile ausgeweitet und gewann Mobilitätspreise (der Westwind berichtete).

Während die weißen E-Taxis in Rahlstedt und Ahrensburg 2023 weiter fahren, wurde der Dienst nun wie berichtet in Osdorf und Lurup – zwei in Hamburg einmalig schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebundenen Stadtteilen – Ende 2022 eingestellt. „Warum hat man uns damals nicht gesagt, dass man dieses Angebot nicht dauerhaft finanzieren will?“, fragt Günter Lange (65), der mit seiner Frau Gabriele (68) ioki regelmäßig nutzt. Beide haben im Osdorfer Born Postkarten für den Erhalt des Shuttledienstes gesammelt. „Auch wenn viele sagen, dass die Entscheidung längst getroffen  ist und wir nichts dagegen machen können, werden wir weiter kämpfen“, so Gabriele Lange, die sich auch in der Borner Runde engagiert, weil das Gremium für gelebte Demokratie steht. Die resolute Frau lässt sich dabei weder von einem Rheumaleiden ausbremsen, noch nimmt sie Entscheidungen nach Gutsherrenart einfach so hin. „Was mit uns gemacht wird, ist diskriminierend“, sagt sie.

Auf einer Busfahrt vom Osdorfer Born zum S-Bahnhof Klein Flottbek zeigt das Ehepaar Lange dem Westwind-Reporter, wie es ist, sich mit einem Rollator in einen vollbesetzten Metrobus der Linie 21 zu quetschen. An diesem Dienstagmittag teilen wir uns den wenigen Platz mit einer Frau, die ihren Kinderwagen auf der gesamten Fahrt festhält. Wer jetzt noch rein will, hat Pech gehabt. „Heute haben wir Glück“, so Lange, „aber oft ist es so voll, dass ich nicht mitfahren kann.“ Die Langes haben eine HVV-Abokarte, so dass sie pro ioki-Fahrt einen Euro Aufschlag zahlen. Der Bringdienst Moia, der nach dem Willen des Senats ab Januar die Lücke schließen soll, ist für das Ehepaar Lange keine Alternative. „Wir wissen nicht genau, wo Moia uns abholt. Dann würden wir im Notfall noch eher mit dem Taxi fahren.“

Protest mit Postkarten an den Verkehrssenator
Am 6. Dezember 2022 gab es für den Verkehrssenator Post von mehreren Hundert Menschen aus Osdorf, Lurup, Groß Flottbek, Bahrenfeld und Schenefeld.  In den Briefen und Postkarten wird der Grüne Anjes Tjarks aufgefordert, die Entscheidung, den Shuttledienst ioki im Westen zum Jahresende einzustellen, rückgängig zu machen.

Der Poststapel wurde in der Verkehrsbehörde an Pressesprecher Dennis Krämer übergeben, der sich Zeit für ein Gespräch mit den Aktiven des Luruper Forums und Bürgervereins nahm. Wegen einer Erkältung konnte Anja Plenge aus dem Osdorfer Born an diesem Tag nicht in die Behörde kommen. Sie hatte von Juli bis Anfang November 637 Unterschriften mit ihrer Onlinepetition gesammelt.

Plenge schreibt, dass vielen Menschen „ein Verlust an Lebensqualität“ droht. Sie zählt die lange Liste von Betroffenen auf: Fahrgäste mit Behinderung, Eltern, die ihre Kinder sicher zur Schule bringen lassen können, ältere Menschen, die sich mit ioki sicherer im Straßenverkehr fühlen, Arbeitnehmer, die so eine bessere Anbindung zur S-Bahn oder ihrer Arbeitsstelle haben und Menschen, die sich die Kosten, etwa von Moia, nicht leisten können.

„Tief in den HVV integriert“
Die Aktiven des Luruper Forums hatten 254 Postkarten fürs Foto an einer Lichterkette befestigt. Mindestens 100 Postkarten hatte die Borner Runde bereits im November vorbeigebracht, weitere Karten gingen auch direkt in der Verkehrsbehörde ein.
Während in Osdorf und Lurup weiter protestiert wird, fuhren die weißen ioki Elektrofahrzeuge im Dezember 2022 bereits mit dem Schriftzug „HVV hop“ durch die Stadtteile. „Damit wird nun auch nach außen hin noch deutlicher, dass es sich um ein Mobilitätsangebot handelt, das tief in den HVV integriert ist“, wird Anna-Theresa Korbutt, Geschäftsführerin des Hamburger Verkehrsverbunds, in einer Pressemitteilung zitiert.

Matthias Greulich

Das Ehepaar Lange in seiner Wohnung

Mit 254 Protest-Postkarten: (v.l.) Thomas Wibrow (Geschäftsführer des Luruper Forums), Christine Süllner (Geschäftsführerin des Luruper Forums), Helga Helmcke, Ute Krüger (Luruper Bürgerverein), Sabine Tengeler (Geschäftsführerin des Luruper Forums) und Annette Bergmann.
 

 

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