Stadtteilmagazin für Osdorf und Umgebung

Modern, gut ausgestattet und „alles an einem Ort“n?

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Im November 2021 ist die Geschwister-Scholl-Stadtteilschule in den am Glückstädter Weg errichteten Neubau eingezogen. Der Umzug und die Einweihung des Gebäudes konnten jedoch aus den bekannten Pandemie-Gründen nicht angemessen gefeiert werden. Das wurde  nun  Anfang September 2022 nachgeholt – der Westwind berichtete.
Die Westwind-Redaktion interessierte sich für die Meinung der Schülerinnen und Schüler zur neuen GSSt und traf sich mit dem SchulsprecherInnen-Kollektiv „new era“ zum Gespräch. Das Kollektiv besteht aus Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 7 bis 13.

Auf die Frage „Was ist für jede und jeden von euch das Beste an der neuen Schule?“ werden als erstes die Cluster genannt (die fünf Klassen eines Jahrgangs haben einen „eigenen“ gemeinsamen Bereich auf jeweils einer Etage); dann die neuen Klassenräume und die Gruppenräume, über die jedes Cluster verfügt; die Teamstationen (in jedem Cluster gibt es ein Lehrerzimmer für die KlassenlehrerInnen und die schwerpunktmäßig in diesem Jahrgang unterrichtenden LehrerInnen); die Sporthalle; die in jedem Raum vorhandenen „ctouch“ (ein großer Bildschirm, der die klassische Schultafel ersetzt und sowohl von einem Laptop oder Smartphone aus als auch, wie ein Smartphone-Display, mit den Fingern bedient werden kann).
Außerdem gefällt den SchülerInnen die Modernität des Gebäudes, also Architektur und Ausstattung: „Alles ist an einem Ort und man findet alles – das war in der alten Schule nicht so gut“. Das Forum, also Aula und Gemeinschaftsfläche im Erdgeschoss, „ist besser designt und hat ein besseres Equipment als die alte Aula, ist besser beleuchtet und außerdem auch für RollstuhlfahrerInnen eingerichtet.“
Ein Schüler ergänzt, dass viele Wünsche und Vorschläge, die die SchülerInnen in der Planungsphase und während der Bauzeit gemacht hatten, umgesetzt worden sind.

Gibt es denn gar nichts, das fehlt oder nicht gelungen ist?
Vereinzelt erfahren die Betonwände Kritik, aber dann wird es richtig lebhaft – es geht um die Konzeption der Toiletten: „Also jeder kann sehen, wenn du auf die Toilette gehst, aber dabei will doch niemand beobachtet werden!“ (Die Eingangstüren in die Toilettenräume sind transparent; die Waschbecken befinden sich vor der Eingangstür. „Das hängt bestimmt zusammen mit der Handyregel, aber das wäre auch anders gegangen.“ „Es wurde auch gemacht wegen des Vandalismus auf den Toiletten, aber zum Beispiel ein Mädchen mit Kopftuch kann jetzt nicht sein Kopftuch richten, weil jeder hingucken kann.“ „Also die Außentüren müssten dicht sein, aber dann sind immer noch die Waschbecken davor.“
Es besteht Einigkeit darüber, dass der Vandalismus nachgelassen hat und dass die Regelung gut ist, dass jedes Cluster, also jeder Jahrgang, seine eigene Toilette hat – „es wäre also auch ohne die Glastüren mit dem Vandalismus besser geworden“.

Wie gefällt euch das Forum? Wird es als Pausenraum genutzt?
„Das Forum soll eigentlich als Pausenraum genutzt werden, aber  keiner wusste das! Anfangs waren Lehrer zur Aufsicht da, aber es ist eben niemand gekommen.“ „Inzwischen gibt es Spiel- und Bastelmöglichkeiten in einem Kunstraum und man kann sich auch in der Bibliothek aufhalten.“ „Ich denke, dass das Forum jetzt im Winter als Pausenraum genutzt wird und dass die Lehrer sich für die Aufsicht etwas überlegen müssen.“ „Wir benutzen das Forum auch zum Beispiel für Sitzungen mit den KlassensprecherInnen.“

Vor einiger Zeit hat Herr Voss für ehemalige KollegInnen eine Führung gemacht. Da gab es einige Skepsis gegenüber dem Konzept, dass die Klassenräume Fenster auch nach innen, also zu der Gemeinschaftsfläche hin haben. Wie kommt das bei den SchülerInnen  an?
„Nicht gut. Es ist nicht schön, wenn du genau gegenüber dem Büro der Abteilungsleitung sitzt.“ „Viele SchülerInnen lassen sich ablenken, ich auch, wenn ich so rausschaue; du kuckst, was ist in den anderen Klassen.“ „Also mich stört das eher nicht. Am Anfang hatte wohl jeder die Sorge, Lehrer und Schüler, aber in meiner Klasse ist es auf jeden Fall so, dass wir uns auf den Unterricht konzentrieren.“ „Andere LehrerInnen kommen zur Abteilungsleitung und kucken, wie du arbeitest.“ „Am Anfang war ich auch skeptisch. Ich habe mir angewöhnt, immer nach vorn zu schauen.“

Was ist das Positive an den Innenfenstern?
„Na ja, rausgehen ist jetzt keine Strafe mehr, weil man ja immer alles sieht; man kann auch draußen arbeiten.“

Wofür nutzt ihr den gemeinsamen Cluster-Innenraum?
„Für Unterricht und Arbeitsgruppen. Die LehrerInnen machen jetzt mehr Gruppenarbeit. Diejenigen, die gut alleine arbeiten können, gehen mehr ins Cluster, die, die mehr Hilfe brauchen, bleiben mit dem Lehrer im Klassenraum.“  „Ich glaube, das Cluster ist das, was den meisten SchülerInnen am besten gefällt.“

Absolute Einigkeit herrscht bei der Antwort auf die nächste Frage: Die neue Sporthalle finden alle sehr gut!

Das „Hamburger Abendblatt“ hat vor Kurzem die neue GSSt als einen von zwölf Kandidaten für den Publikums-Architekturpreis vorgestellt. Interessieren sich eure Eltern für das neue Gebäude?
„Also meine Mutter eher nicht, die findet das ganz normal.“ „Für meine Eltern ist das nicht so relevant, für die sind nur die Noten wichtig.“ „Meine Mutter findet das neue Gebäude besser als das alte, sie ist vorbeigekommen. Und sie meint, dass sie selbst lieber hier Unterricht haben würde als in der alten Schule.“ „Das Gebäude ist ja auch ziemlich versteckt, meine Eltern sehen es vielleicht mal beim Spazierengehen.“

Hat sich durch die neue Schule eure Einstellung zur Schule und zum Lernen in der Schule verändert?
„Positiv und negativ. Man kann jetzt einerseits besser lernen, aber das Cluster ist für mich doch eine Ablenkung. Ich bleibe meistens im Klassenraum, denn draußen ist es mir zu laut und ich bin froh, wenn die lauten Schüler draußen sind.“„Für mich macht es keinen Unterschied.“ „Es ist schwer zu sagen, weil ja die ganze Zeit Corona war.“

Hat sich, zum Beispiel durch die Cluster und die Teamstationen, etwas verändert am Umgang zwischen SchülerInnen und LehrerInnen?
„Für mich hat sich das positiv verändert.“ „Meiner Meinung nach macht es keinen Unterschied, aber man findet die LehrerInnen schneller.“ „Ich möchte noch sagen, dass sich durch die Cluster mehr Gemeinschaft unter den SchülerInnen eines Jahrgangs bildet, weil die mehr miteinander kommunizieren. Und es kann auch sein, dass Dinge, die wir jetzt negativ finden, sich noch zum Positiven hin entwickeln.“

Benutzt ihr jetzt häufiger neue Medien im Unterricht?
„Die neuen ctouch finde ich besser als Tafeln; wenn man etwas erklären möchte, kann man das schnell über das Smartphone machen.“ „Es gibt auch Lehrer, die erstellen Präsentationen über den Stoff, und statt dass sie es an die Tafel schreiben, ist es schön leserlich eingetippt.“
„Laptops werden eher in der Oberstufe benutzt, denn nur in den Oberstufenräumen gibt es WLAN, die anderen Stufen haben keins. Das hängt damit zusammen, dass die Oberstufe ja mit der Stadtteilschule Lurup kooperiert, die können mit ihren accounts auch dort das WLAN nutzen.“

Zum Schluss noch eine Frage an euch als SchulsprecherInnen: Was sind die wichtigsten Themen, die ihr in diesem Schuljahr angehen wollt?
„Also zum einen geht es um ein Schul-T-Shirt und solche Dinge, dann Sport-Turniere – zwischen den Jahrgängen oder auch mit anderen Schulen. Wir möchten außerdem, dass es kostenlos Menstruationsprodukte an der Schule gibt.“
„Ein weiterer Punkt ist die Abschaffung des Sponsorenlaufs; die Schüler haben nicht so richtig Lust darauf; es geht nicht einfach um die Abschaffung, sondern darum, ihn zum Beispiel durch eine andere Sportart zu ersetzen. „
„Dann möchten wir noch WLAN in der ganzen Schule. Wir wollen außerdem eine Schul-Disco veranstalten und es soll Spinde für alle SchülerInnen geben.“

Ich bedanke mich bei euch für das Gespräch und wünsche euch in eurer Tätigkeit als SchulsprecherInnen und für eure Vorhaben viel Erfolg.

 

Frieder Bachteler

 

 

Das Schulsprecherteam: (v.l.) Yash Lund (Jahrgang 7), Ali Aksu (13), Tayler Schneiderat (11), Johannes Thrun (7),
Alex Barmpas (11), Aylin Lakus (9), Jenni Müller (11); nicht im Bild: Anil Eren (11), Caleb Idrissou (13) und Mimoun Talib (11)
Foto: Frieder Bachteler

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