Stadtteilmagazin für Osdorf und Umgebung

„Bei der Bahn sind Sie in Gottes Hand“

Verkehrssenator Tjarks: Darum baut die Hochbahn die U5 nach Lurup und Osdorf 

 
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Als Anjes Tjarks 1981 geboren wurde, fuhren in Hamburg seit drei Jahren keine Straßenbahnen mehr. „Dabei hatte die Stadt mal das zweitgrößte Straßenbahnnetz Europas“, sagte der grüne Verkehrssenator bei einer Veranstaltung seiner Partei im Bürgerhaus Bornheide. 240 Kilometer Schiene, einfach weg. Während in Berlin und München weiter Straßenbahnen fahren, hofft man in Hamburg, viele Verkehrsprobleme mit dem Bau einer neuen U-Bahnlinie in den Griff zu bekommen. Die U5 soll, das wurde im September 2025 vom Hamburger Senat entschieden, von den Arenen im Volkspark bis nach Lurup und zum Osdorfer Born verlängert werden (Westwind 11/2025). 

Am Osdorfer Born schilderte Tjarks den rund 50 Anwesenden 90 Minuten lang, wie es zu dieser Entscheidung gekommen war. Ein Hauptgrund: die Unzufriedenheit im Senat mit der Deutschen Bahn, die ursprünglich die Strecke der S6 bis zum Born bauen sollte. „Bei der Bahn sind Sie in Gottes Hand“, sagt der seit bald sechs Jahren amtierende Verkehrssenator. Als negatives Beispiel für zu großes Gottvertrauen dient dem Politiker, der in Altona wohnt, die S-Bahn Haltestelle Ottensen. „Das ist eine Station, wo eine S-Bahn liegt, wo man nur zwei Gleise auseinanderlegen, einen Bahnsteig und ein Dach obendrauf bauen muss. Das hat 22 Jahre gedauert. 22 Jahre!“ 

Hinzu kommt: Während der Einfluss des Senats auf die Bahn gering sei, sitze der Verkehrssenator im Aufsichtsrat der Hochbahn. Ein Projekt wie die Sanierung der Strecke Hamburg-Berlin habe für die Bahn Priorität. Es könne passieren, „dass sie dann Leute von anderen Projekten abziehen“. Das könne bei der Planung und dem Bau mit der Hochbahn nicht passieren. „Der Planer der U5 weiß, was er tut und er ist eben auch flexibel unterwegs“, so Tjarks. 

 

Die gesamte Linie wird laut Hochbahn 14 bis 16,5 Milliarden Euro kosten. Der Senat spricht von einem „Jahrhundertprojekt“, Anjes Tjarks sagt, dass sie ihr Geld wert sei. Man werde mit ihr 300.000 Menschen pro Tag transportieren. Die U5 könne im 90-Sekunden-Takt fahren. Die S6 nur maximal alle zehn Minuten, mehr lässt die begrenzte Kapazität am Hauptbahnhof nicht zu.

Für den Abschnitt von den Arenen bis zum Osdorfer Born würde Hamburg rund 70 Prozent vom Bund bekommen, weil die Strecke relativ kurz sei und für einen U-Bahntunnel niedrigere Kosten als bei der größeren S-Bahn anfallen. Für den übrig gebliebenen Abschnitt der S6 von Holstenstraße bis zur Trabrennbahn Bahrenfeld sei die Förderung des Bundes nach wie vor noch nicht sicher. „Dafür würde eine erfolgreiche Hamburger Olympiabewerbung sehr helfen.“ Denn das Olympische Dorf soll in der dort geplanten Science City Bahrenfeld entstehen. Mit Blick auf den Osdorfer Born sagte Tjarks:  „So, und weil dieser Stadtteil schon ein, darf ich sagen, Trauma hat, würde ich gerne ein weiteres Trauma (in Bahrenfeld, Anm. d. Red.) vermeiden.“ 

Und was ist mit dem Verbindungsbahnentlastungstunnel? „Ich glaube, der kommt nicht mehr“, sagte Anjes Tjarks. Die Stadt Hamburg sei auch bereit gewesen, sich diesem Projekt zu stellen: „Es ist nur so, dass der Bund das einfach nicht bezahlt. Er hat gesagt ,Ich schreibe dieses Projekt aus, ich mache das Projekt. Ich habe leider kein Geld für euch.’ Und ich könnte noch viele weitere Sachen erzählen.“

Matthias
 Greulich

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