Stadtteilmagazin für Osdorf und Umgebung
Vieles mag sich verändern – Wohnblöcke, Generationen, gesellschaftliche Debatten. Doch ein Bild bleibt über Jahrzehnte hinweg gleich: Mütter, schwer bepackt mit Einkaufstüten und kleinen Kindern, die ihren Alltag stemmen. Sie balancieren Termine, Sorgen und Hoffnungen, oft ungese-
hen, oft selbstverständlich genommen. Mit Demut blickt man ihnen nach, wissend, dass diese alltäglichen Kraftakte selten gewürdigt werden und viel zu schnell verblassen.
Der Osdorfer Born ist ein solcher Ort der stillen Stärke. Hier bin ich groß geworden – nicht behütet vor der Welt, sondern vorbereitet auf sie. Die ersten harten Kämpfe warteten später: an der Universität, im Berufsleben, in Momenten des Zweifelns. Es war meine Mutter, die mich auffing, die mich trug, wenn ich selbst nicht mehr stehen konnte. Ihre Kraft wirkt bis heute.
Mein Blick für Kunst und meine Neugier auf sie wurden früh geschärft. Den täglichen Schulweg nahm ich aufmerksam wahr; in verträumten, trödeligen Momenten fragte ich mich, was die Kunst im öffentlichen Raum mit mir zu tun hat: der Aufsteiger, die Ozeaniden – oder warum dieses eine Relief dort steht. Ich musste lachen, als endlich jemand dem „Adam“ am Eingang des Botanischen Gartens eine Unterhose aufgesprüht hatte.
Doch was haben all diese Figuren eigentlich mit uns als Anwohnerinnen zu tun?
Bis heute suche ich einen Bezug zwischen mir und der Kunst in Osdorf – etwas, mit dem ich mich identifizieren kann, etwas, das mich im Sinne eines Denkmals zum Innehalten einlädt. Es gibt Denkmäler für nahezu alles: Statuen, Gedenkplatten, zahllose Kriegsdenkmäler, auf denen Mütter um ihre gefallenen Söhne trauern. Doch das ist nicht das, was ich meine.
Meine Mutter, meine Kindheit und Jugend im Osdorfer Born sowie mein Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und der Sozialen Arbeit bilden das Fundament dieses vielleicht größenwahnsinnigen Projekts – entstanden aus tiefster Liebe. Aus diesen Erfahrungen wächst der Wunsch, ein sichtbares Zeichen von Anerkennung und Stärke zu schaffen. Gerade in einer Zeit zunehmender Misogynie, sozialer Ungleichheit und familiärer Belastungen. Ein Denkmal für Mütter, deren tägliche Fürsorge unser Zusammenleben – und unsere Zukunft – trägt.
Mit „MÜTTER – unsichtbare Säulen unserer Gesellschaft“ soll ein Denkmal entstehen: kein klassisches Monument für historische Einzelpersonen, sondern ein Ort der Wertschätzung für jene, die Familien zusammenhalten, Generationen prägen und Gemeinschaft stiften. In Hamburg ist der öffentliche Raum noch immer von männlich geprägten Denkmälern dominiert; Darstellungen von Frauen sind selten und wenn dann häufig auf nackte, musische Körper reduziert.
Katharina Malik
Kontakt: kmalikhh@gmail.com