Stadtteilmagazin für Osdorf und Umgebung

Ehemaliger Bahr-Baumarkt:

Wie geht es weiter am Tor zum Osdorfer Born?
 
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Der „Max Bahr“-Baumarkt an der Ecke Rugenbarg/Brandstücken wurde 2014 geschlossen. Übergangsweise (von Herbst 2015 bis September 2016) diente das leerstehende Gebäude dann noch als Erstaufnahmeeinrichtung für geflüchtete Menschen. Seitdem ist das ca. 15.000 Quadratmeter große Grundstück am Eingang zum Osdorfer Born jedoch völlig ungenutzt und verwahrlost zunehmend. Die Bürgerinnen und Bürger Osdorfs fragen sich seit langem, ob und wie es mit dem einstigen Max-Bahr-Gelände weitergeht. Über diese Frage sprach der WESTWIND mit Thomas Adrian aus Osdorf, Abgeordneter und Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Altona.

WW: Die Bezirksversammlung Altona hat seit 2017 mehrfach und parteiübergreifend ihren Willen bekräftigt, das Grundstück Rugenbarg 103 (Max-Bahr-Gelände) ausschließlich einer Nutzung zuzuführen, die dem geltenden Bebauungsplan (Osdorf 45) entspricht. Was war der Hintergrund dieser Beschlüsse, die ja Einzelhandelsnutzung ebenso wie Wohnbebauung ausschließen? Hat der bisher breite Konsens in dieser Frage auch im Herbst 2022 weiterhin Bestand?

TA: Hintergrund für die Initiativen war und ist, dass wir in diesem Bereich am Brandstücken eines der größten zusammenhängenden Gewerbegebiete im Bezirk haben, das auch für die Zukunft noch Potenziale hat, z.B. für das Handwerk. Schon die Ansiedlung eines Discounters vor etlichen Jahren direkt am Ring 3 am Rugenbarg (neben der Tankstelle) war ein Fehler. Mit solchen Projekten verlieren wir nicht nur wertvolle Gewerbeflächen, sondern gefährden obendrein auch noch die vorhandenen Handelsstandorte wie das Borncenter oder den Eckhoffplatz. Dieser Fehler darf und soll sich auf dem ehemaligen Max-Bahr-Gelände nach dem Willen der SPD-Fraktion nicht wiederholen. Ob es darüber nach wie vor einen Konsens gibt, vermag ich nicht zu sagen. Einigkeit gibt es auf jeden Fall in der Frage, dass man nicht über dieses Grundstück allein sprechen kann, sondern die danebenliegenden Flächen mit den vorhandenen Geschäften mit im Blick haben muss.

WW: Die Bezirksversammlung plädierte in der Vergangenheit auch mehrfach für eine kleinteilige gewerbliche Nutzung, vorzugsweise durch Handwerksbetriebe. Die Umsetzung dieses Ziels könnte einen spürbaren Beitrag zur Milderung des Flächennotstands für solche Betriebe im Hamburger Westen leisten und zusätzliche wohnortnahe Arbeits- und Ausbildungsplätze für die 12.000 BewohnerInnen des Osdorfer Borns bereitstellen. Stimmt es, dass eine entsprechende Entwicklung der Fläche am privaten Grundstückseigentümer gescheitert ist?

TA: Die Aussage, dass hier wertvolle Arbeitsplätze entstehen könnten, z.B. in einem Handwerkerhof, unterschreibe ich sofort. Tatsache ist aber leider, dass wir keinen Eigentümer dazu zwingen können, ein solches Projekt zu starten oder das Grundstück an andere zu verkaufen. In den Gesprächen, die mit dem Bezirksamt geführt werden, bin ich nicht dabei, es scheint aber bisher tatsächlich am Eigentümer zu scheitern.

WW: Nach Presseberichten gehört die Fläche seit 2019 der Lidl-Gruppe, d. h.
einem der weltgrößten Discounter, die auf eine baurechtliche Befreiung oder eine Änderung der planrechtlichen Festsetzung drängt, um eine Einzelhandelsnutzung des Grundstücks zu ermöglichen. Trifft das zu?

TA: Nach dem, was man so hört, scheint tatsächlich Einzelhandel gewünscht zu sein, zumindest auf Teilen des Grundstückes.

WW: Das Grundstück stand in den letzten acht Jahren mehrfach zum Verkauf. Wurde jemals der Ankauf der Fläche durch Hamburg erwogen und woran ist er ggf. gescheitert?

TA: Aus meiner Sicht wäre dies die beste Lösung, ob es solche Gespräche gegeben hat, kann ich leider nicht sagen, nur die Finanzbehörde und der entsprechende Landesbetrieb für Immobilien und Grundvermögen könnten dazu Auskunft geben.

WW: Gab oder gibt es derzeit Gespräche mit Lidl, um zu einer  Konfliktlösung zu kommen? Und wer sind dabei auf Seiten Hamburgs die Gesprächspartner – Bezirksamt, Finanzbehörde, Wirtschaftsbehörde? Wird die Bezirksversammlung über die Verhandlungen zeitnah informiert?

TA: Die Ansprechpartner seitens der Stadt haben Sie richtig benannt. Ich halte es jedoch für wenig zielführend, wenn sich Politik in solche Gespräche einmischt. Wir sind dann gefragt, wenn es um mögliche Änderung des Planrechts geht.

WW: Ist von solchen Gesprächen überhaupt etwas zu erwarten? Oder spielen beide Seiten lediglich auf Zeit in der Hoffnung, die Gegenseite irgendwann „weich zu kochen“?

TA: Zeit haben wir an dieser Stelle mit Blick auf die Lage des Gewerbes eigentlich nicht, leider haben wir seitens der Bezirkspolitik auch keinen Hebel, um den Eigentümer zu einer Nutzung zu bewegen. „Weichkochen“ für eine Änderung des Planrechts lasse ich mich jedenfalls nicht.

WW: Wenn offenbar ein grundsätzlicher Konflikt zwischen den in der Flächenplanung niedergelegten (stadt-)politischen Zielen und den Verwertungsinteressen privater Grundstückseigentümer besteht, welche Möglichkeiten haben Senat und Bezirk, eine solche Situation zu bereinigen? Oder muss sich Osdorf damit abfinden, auf unabsehbare Zeit mit einer ungenutzten und verwilderten großen Problemimmobilie in prominenter Lage zu leben?

TA: Ich bin kein Jurist, weshalb ich nicht abschließend sagen kann, welche Instrumente evtl. die Senatsbehörden noch haben. Für mich kann ich nur sagen, dass ich nicht bereit bin, mich mit diesem Zustand abzufinden. Der Leerstand dieses Grundstückes am Eingang zum Osdorfer Born ist ein Skandal.

WW: Das Max-Bahr-Grundstück ist ja kein Einzelfall – deshalb noch eine letzte grundsätzliche Frage: Bedarf es vielleicht neuer/zusätzlicher (bundesgesetzlicher) Regelungen/Instrumente, damit Kommunen wie Hamburg Grundstücksspekulationen wirksamer entgegentreten und  Allgemeinwohlinteressen besser durchsetzen können?

TA: Dort, wo es um Wohnungsbau geht, hat der Gesetzgeber in den letzten Jahren meines Wissens nach schon einiges auf den Weg bringen können. Es wäre schön, auch für die Schaffung von Gewerbeflächen und damit Arbeitsplätzen entsprechende Instrumente an die Hand zu bekommen. Jeder von uns freut sich, wenn er/sie heute noch schnell einen Handwerker in der Nähe findet. Angesichts dessen müssen wir auch gute Bedingungen für diese Branchen schaffen und dürfen nicht zusehen, dass Betriebe ins Umland gehen. Der Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ muss auch hier gelten!

Rainer Erbe

Thomas Adrian (SPD), Foto: SPD
Graffiti und Wildwuchs: Max Bahr hat schon bessere Zeiten gesehen.

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